Landwirtschaft – Mehr als nur ein Beruf
Landwirtschaft ist für mich kein Beruf, sondern eine Berufung. Gleichzeitig ist sie der wichtigste Beruf der Welt, denn ohne Landwirtschaft hätten wir alle nichts zu essen. Viele Entwicklungen, die wir heute als selbstverständlich ansehen, wären ohne sie nicht möglich gewesen. Sie hat den Grundstein für unsere gesamte Gesellschaft gelegt.
Schon im Studium habe ich mich bewusst nicht auf einzelne Fachrichtungen festgelegt, weil ich den Blick für das große Ganze nie verlieren wollte. Landwirtschaft funktioniert nur im Zusammenspiel vieler Bereiche: Ackerbau, Tierhaltung, Grünland, Bodenfruchtbarkeit, Energiegewinnung und Umweltschutz. Diese Kreisläufe greifen ineinander und bilden ein komplexes Ökosystem, das mich von Anfang an fasziniert hat.
Ackerbau
Der Ackerbau bildet für mich das Fundament der Landwirtschaft. Er ist hochkomplex und erfordert ein tiefes Verständnis für Böden, Pflanzen, Wetter, Technik und die natürlichen Kreisläufe, in denen wir arbeiten. Ich habe viele Jahre auf verschiedenen Betrieben im Ackerbau mitgearbeitet und konnte dort vom klassischen Getreideanbau bis hin zu modernen, innovativen Systemen alles miterleben und mitgestalten.
Ein guter Ackerbau beginnt für mich immer beim Boden. Bodengesundheit, Humusaufbau und ein schonender Umgang mit unseren Ressourcen sind entscheidend, um langfristig gute Erträge und hochwertige Lebensmittel zu erzeugen, aber auch andere wichtige Funktionen des Bodens zu erhalten. So ist er unser größter CO₂ Speicher und kann Schadstoffe aus unserer Luft herausfiltern und abbauen, aber auch Überflutungen verhindern und abpuffern, wenn er gut durchwurzelt ist. Moderne Methoden wie Direktsaat, flache Bodenbearbeitung, vielfältige Fruchtfolge, Untersaaten, Zwischenfrüchte und neue Techniken wie Precision Farming spielen dabei eine große Rolle und zeigen, wie Technik und Praxis miteinander kombiniert werden können.
Auf mehreren Betrieben habe ich bereits Versuche zu unterschiedlichen Anbauverfahren, Sorten, Düngestrategien und Pflanzenschutzkonzepten durchgeführt, genauso wie den Einsatz neuer Technik, etwa Robotik- und Drohnensysteme.
Ertrag und Umweltschutz müssen sich dabei nicht ausschließen. Weniger Bodenbearbeitung, gezielter und präziser Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln sowie der Einsatz moderner Technologien zeigen, dass leistungsfähiger Ackerbau und verantwortungsvolle Bewirtschaftung Hand in Hand gehen können.
Tierhaltung
Die Tierhaltung spielt für mich eine zentrale Rolle in der Landwirtschaft. Ohne sie funktionieren viele unserer Kreisläufe nicht: Wiederkäuer verwerten Neben- und Koppelprodukte, die wir Menschen nicht nutzen können, und ermöglichen die nachhaltige Bewirtschaftung von Grünland. Gleichzeitig erhalten Tiere wertvolle Kulturlandschaften und tragen zu Arten-, Umwelt- und Klimaschutz bei.
Für mich geht es in der Tierhaltung nie um das Ob, das ist mit einem klaren Ja zu beantworten. Es geht immer um das Wie. Eine gute Tierhaltung orientiert sich an den natürlichen Bedürfnissen der Tiere und setzt auf Weidehaltung, robuste Rassen, frische Luft, gute Einstreu, ein durchdachtes Herdenmanagement und ein konsequentes Monitoring der Tiergesundheit. Dazu gehören für mich auch Fragen der Tiertransporte und der Schlachtung. Stressarme Schlachtverfahren, kurze Wege und idealerweise Hofschlachtungen sind wichtige Bausteine, um Tierwohl bis zum letzten Schritt ernst zu nehmen.
Ich habe auf vielen Betrieben praktische Erfahrungen gesammelt, von Schweine- und Bullenmast über Sauenhaltung bis hin zur Milchviehhaltung. Auf unserem eigenen Hof, auf dem wir aktuell nur Schafe für die Landschaftspflege halten, sind in naher Zukunft Legehennen im Mobilstall sowie Mutterkuhhaltung geplant.
Gleichzeitig sehe ich die Herausforderungen in Deutschland und Europa: unterschiedliche Standards, fehlende einheitliche Tierwohlvorgaben und Handelsabkommen wie Mercosur setzen heimische Betriebe unter Druck. Wichtig ist, dass Lösungen gemeinsam mit den Landwirten entwickelt werden, finanzielle Unterstützung für den Umbau der Tierhaltung bereitsteht und der Lebensmitteleinzelhandel kein Preisdumping fördert und Landwirte fair bezahlt. Nur so kann eine gute Tierhaltung langfristig Bestand haben.
Energiewirtschaft
Viele Betriebe erzeugen heute nicht nur Lebensmittel, sondern auch erneuerbare Energie und können damit sowohl die Gesellschaft regional versorgen als auch ein großes Stück energieautarker werden.
Biogas ist dabei längst nicht mehr nur Maisanbau. Moderne Biogasanlagen setzen zunehmend auf vielfältige Energiepflanzen, Reststoffe, Mist und Gülle sowie andere biologische Nebenprodukte. Das erweitert Fruchtfolgen, schließt Kreisläufe und nutzt Stoffströme, die ohnehin auf den Betrieben anfallen.
Auch Photovoltaik ist auf vielen Stall- und Gebäudedächern bereits sinnvoll integriert. Freiflächen-PV ist für mich dabei keine Option, weil sie die Flächenkonkurrenzen verschärft. Dahingegen kann jedoch Agri-PV in einigen Fällen Chancen bieten, wo eine echte Doppelnutzung entsteht, etwa durch Teilbeschattung für Beeren oder andere Kulturen, die Schattenpflanzen sind, oder durch Schutzfunktionen vor Beutegreifern wie Hühnern. Auch im Bereich der Düngung gibt es heute schon energieärmere Alternativen wie Green Ammonia.
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